Claus wird 66


Lieber Claus !

Grad mal kurze Zeit ist es her,
dass wir dir zum 60ten gratulieren durften.
Doch die Zeit eilt uns voran und wir ihr hinterher.

Zu meinem 60ten bekam ich nachstehende Zeilen,
die ich jetzt um-gepfriemelt habe,
damit sie schließlich auch zu dir und zum HEUTE passen.

Ich gebe auch den Titel gerne weiter: „Willkommen im Club“,
auch wenn ich ja schon vor 46 Jahren jünger war als du…
und deswegen auch immer jünger aussah….

Falls lichtet auf dem Haupte das Geflecht sich,
und mancher Zahn erweist als nicht mehr echt sich,
und auch das Augenlicht allmählich schwächt sich:
Geht ‘s weiter eben, trotz der Sechsundsechzig.

Wenn beim Freizeitsport mal meld’ das Handicap sich,
und wenn die Zeit wohl um, wo straflos man bezecht sich.
Ja, mancher Überschwang sehr rasch nun rächt sich:
Genieß’ das Leben man mit Sechsundsechzig.

Fühlt man behämmert wie der Baum vom Specht sich,
im Kopf da findet oft man nicht zurecht sich,
wenn man mal nichts vergisst, dann freut man echt sich:
Hurra, jetzt biste Sechsundsechzig!

Wenn dich dein Weib verliebt anblickt,
find’st du das prächtig,
doch ist das Vorspiel rum,
fühlst du dich auch schon wieder schmächtig,
und ist zweimal pro Woche Liebe dir dann eher lästig:
Verdammte Sechsundsechzig!

Nach Sonne, Jugendkraft und Wärme lechz’ ich,
plagt mich der Ischias gar sehr, dann ächz’ ich,
heb’ ich ein Lied zu singen an, dann krächz’ ich:
Jetzt ist nun mal erreicht die Sechsundsechzig!

Und doch,
beurteilt einmal man gerecht sich,
so findet man doch wirklich gar nicht schlecht sich.
Und meckert einer, sagt man: “Der erfrecht sich!
Ein solcher Lümmel werde selbst
doch erst mal Sechsundsechzig!

Und weil du ja niemandem anderen folgst als deiner Silke…vielleicht folgst mit den nächsten Zeilen doch mal mir und dem erst kürzlich am Magdalenenbergle ausgegrabenen keltischen Leitbild:

Immer schön die Stange fassen,
Damen stets den Vortritt lassen,
in Gesellschaft fromm und still
niemals vorlaut oder schrill,
beim Pimpern sollst du niemals hetzen
und schlecht nicht über Kollegen schwätzen,
zahle stets, was du gesoffen,
der Wirt muss sonst auf morgen hoffen,

Fisch nicht mit dem Messer essen
und Trippls Südkurier vergessen.
Nicht zu oft die Weiber bügeln
deshalb die Fleischeslust bezügeln,
die Penunze nicht verprassen,
nichts so wie die Faulheit hassen,
ab sofort nie mehr nackt in Spiegel schauen,
keinem Schwenninger mehr trauen,
nicht trinken aus der Untertasse,
und nie an fremde Titten fasse,
führe stets ein saub’res Leben,
Tugend sei dein Hauptbestreben!
Nach dem Scheißen, wasch die Hände,
schiffe nie an fremde Wände!
Kurzum: Sei zu innerst gut,
denn wer gut ist, auch gut ruht.

Das ist Alemannen-Brauch,
aber anders geht es auch!

Nur wer sich auf badische Weise, d.h. bescheiden durchs Leben bewegt, weiß,
wie sich die dauerhafte Sittlichkeit im Leben des so braven, unbescholtenen Mannes
namens Claus Kurt darsteltt.
Als ob er die “höchst weltliche S ü n d e n f i b e l “ selbst geschrieben hätte.

Das Werk lautet
“Pensionierte Sittlichkeit – wer war ich und wenn ja,
warum geht nicht mehr soviel beim Mann mit 65+ und bleibt das so…?”

Dies nun stimmt wirklich wenig zuversichtlich!
Doch lasst uns prüfen, ob, wie überhaupt oder
ob es gar recht treffend auf den Jubilar passt,
den wir alle Claus nennen und der nach Sigurd, Tarzan, Akim,
Zorro alias Lassy la Roque, Eddy Cokran und dem deutschen Nachkriegsrocker
Ted Herold das wohl eleganteste Nackenhaar in der Region trägt.

Ich deklamiere! – Für alle Nicht-Lateiner -
[Richie, wir grüßen dich!] Ich trage vor:

Es war einmal ein – nein, kein Auerhahn, ein Zinken-Hahn,
der hat stets seine Pflicht getan,
zig- Jahre lang und noch viel mehr,
dann war der Dienst ihm etwas schwer.
So wie kein Rad auf ewig rollt,
und wie kein Donner ewig grollt,
so hatte ers sich schließlich ausge-klinkt,
das heißt, es hat sich ausge-zinkt.

Nun ließ er seine Blicke schweifen,
betrübt zu all den Ordensschleifen,
Diplomen und den Ehrenpreisen,
die er er-zinkt auf Golfers Reisen!

Was halfen ihm jetzt all die Prämien?
Er musst sich vor den Hühnern schämien.
Kein Hafer und kein Sellerie
entlockten ihm ein Kikeriki.

Es klang jetzt wie ein heisres Quieken,
sein einst so frohes Kikerikieken.
Und all die Hennen und die Glucken
die waren darob bass erschrucken.

So stand er traurig wie Piek sieben
im Kreise seiner Hühnerlieben.
Man hat den Enterich gebeten,
den desolaten Zinken-Hahn
vorübergehend zu vertreten.

So kümmert sich das Federvieh
so gut wie nicht um Sittlichkeit und Bigamie.
“Jawoll ! “, sprach stolz der Enterich,
“die Kleinigkeit besorge ich!”

Am Zaun nun stand der Zinken-Hahn
und sah voll tiefer Trauer an,
wie seine Hennen seine Glucken,
nun nicht mal mit der Wimper zucken,
im Gegenteil, noch mit Frohlucken,
sich nun vom Enterich begatten lassen.
Der Zinken-Hahn, der konnt’s kaum fassen!

“Pfui, Teufel! meint er, “Ja, so sind die Glucken”,
die unterm Enterich sich ducken!

Und schließlich kam der Bauer an
und schnappte sich den Zinken-Hahn.
Er sprach, du oller Veteran
wirst höchstens noch fürs Saugen taugen,
und Claus verdreht auch gleich die Augen.

Was aber ist des Lebens Mannestand..?

Statt dass das Heft ich an mich band,
hab’ freitags ich den Sauger in der Hand….

In diesem Sinne PROST auf unseren Claus.

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